Der Schützenverein 1912 Seeheim/Bergstr. e.V. stellt sich vor:
Der Schießsport in Seeheim hat eine lange Tradition.
Schon in den Unterlagen  aus dem 17. Jahrhundert  der Seeheimer Gemeinde sind Eintragungen des Gemeindeschreibers zu finden, in denen vom Bürgermeister  Ausgaben für den Schießsport genehmigt  wurden.
In Erinnerung  an bedeutende  Ereignisse aus vergangenen Zeiten wurden in Verbindung mit Märkten große Feste gefeiert. Bei diesen Veranstaltungen  wurde auch ein sogenanntes Freischießen (Frühlings-,  Maischießen) abgehalten.
Städte und größere Gemeinden,  in denen sich schon Schützengilden  befanden,  schickten nun ihre besten Schützen dorthin, die auch immer die ersten Preise erhielten.

Der Hauptpreis war meistens ein Stück Großvieh, aber es gab auch Geldpreise. Der Einstand für den Schützen betrug 10-15 Albus.

Auch unsere Gemeinde veranstaltete  immer an Kirchweih ein „Offenes Schießen“.
Die ersten Preise waren jedoch geringer als bei einem Freischießen, meistens eine Ziege, eine Gans oder ein Huhn. Aber auch diese wurden von den auswärtigen Schützen gewonnen.

Dies ließ unseren Schultheiß Helff Wilhelm nicht ruhen, er wollte auch einen guten Schützen in unserem Ort wissen.
Da er jedes Jahr fünf Männer zur Landmiliz abstellen musste und diese auch noch aus der Gemeindekasse bezahlt wurden,  begab er sich zu dem Übungsgelande  und Rekrutierplatz neben dem Hehner Weg (ungefähr ehemalige Müllkippe  Bickenbach).
Nach mehrmaligem Besuch dieser Übungen sah er, dass Philipp Bensheimer, Bloß und Peter Lampsheimer  gute Schützen waren.

Mit Zustimmung  des Schultheißen Philipp Frankenstein  beschloss man, diesen drei Männern ihr Pulver und ihre Kugeln zum Üben sowie ihre Auslagen bei offenen Schießen in den Nachbarorten  aus der Gemeindekasse zu bezahlen.
Von diesen drei Schützen zeigte Philipp Bensheimer  die beste Leistung, deshalb beschloss man, ihn im Jahr 1617 auf ein Freischießen nach Wachenheim  in der Pfalz zu schicken. Der erste Preis war hier mit unglaublichen 35 Gulden ausgeschrieben. Den wievielten Preis er errang, konnten wir noch nicht ermitteln.
Jedoch mit Gewissheit  können wir sagen, dass vor 400 Jahren der Schützensport  betrieben wurde und somit wäre auch belegt, dass er die erste Sportart war, die in Seeheim ausgeübt wurde.

Quelle:
Auszug aus den Unterlagen des heimatkundlichen Arbeitskreises Seeheim; siehe Seite 68

Im Jahre 1912 wurde der Schützenverein Seeheim gegründet.

 

Aus dieser Zeit existiert ein Foto. Auf dem Bild ist unter anderen Georg Lorenz, geb. 1894, der Vater von Wilhelm Lorenz (Pfungstädter  Str.) abgebildet. W. Lorenz schätzt seinen Vater auf diesem Bild auf ca. 28 Jahre. Anhand von Recherchen  könnte es sich um ein Foto aus dem Jahre 1922 handeln das anlässlich des 10 jährigen Jubiläums  aufgenommen wurde. Hintergrund  auf diesem Foto ist das Hotel „Alt Heidelberg“, das ca. 1910 in den Besitz von Karl Hufnagel kam, später Erholungsheim der LVA Heidelberg  wurde und heute nicht mehr existiert.


Im Jahre 1937 wurde der Deutsche Schützenbund  aufgelöst. Es wurde der NS-Verband gegründet. Die Schützenvereinsvorsitzenden wurden bestimmt. Der Schießsport wurde zur Wehrertüchtigung umfunktioniert.  Bilder und Berichte aus dieser Zeit weisen auf den K.K. Schützenverein Seeheim hin. Aus dieser Zeit ist ein Schießstand „Hinter  der Schießmauer“ bekannt, ein Gelände am Waldweiher. Die Gemeinde Seeheim-Jugenheim hat jetzt dort das Lager für ihren Bauhof.



Nach dem Zusammenbruch des Dritten  Reiches im Mai 1945 war den Deutschen der Besitz jeglicher Schusswaffen  verboten. Erst im Jahre 1949 gab es erste Regungen  durch die Herren Gehmann,  Zimmermann  und Sporer. 1951 fand in Bad Nauheim eine Neugründung des Deutschen Schützenbundes (20 Personen) im geheimen statt. Offiziell genehmigten die Alliierten den Schießsport mit Luftdruckwaffen im Herbst 1951 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Theodor Heuß. Als Waffen waren nur Luftgewehre,  anfangs nur mit glattem Lauf, zugelassen.  1952 durften für die olympischen  Spiele in Helsinki 30 Importgewehre aus Finnland eingeführt werden. Schließlich durfte die Fa. Walther 45.000 KK Gewehre produzieren.  Munition gab es auf Antrag an die Alliierten. Später wurde die eigene Herstellung  durch die Fa. Dynamit Nobel gestattet.

In Seeheim besinnen sich 1956 Dr. Ewald Badendieck und Jakob Scheuch wieder auf den Schützenverein,  den die Großväter 1912 gegründet hatten.

Am 31.05.1956  findet schließlich die Wiedergründung in der Gaststätte „Tanneck“ statt. Im Protokoll, vom damaligen Schriftführer Fritz Lockau zur Gründerversammlung, wird eine Zahl von 17 Gründungsmitgliedern genannt.
Es wird aber auf eine handschriftliche Anwesenheitsliste mit 23 Personen verwiesen.


Darüber hinaus wurden von einem Dritten, 6 weitere Personen namentlich  festgehalten,  so dass die Vermutung nahe liegt, dass 29 Personen anwesend waren.
Zum provisorischen,  geschäftsführenden Vorstand wurden damals die Mitglieder:

Jakob Scheuch      als 1. Vorsitzender
Dr. Ewald Badendieck  als 2. Vorsitzender
Fritz Lockau     als Schriftführer
Jakob Weicker     als Rechner

von der Versammlung einstimmig gewählt und beauftragt Unterlagen,  für eine Satzung zu beschaffen.

Die Wiedergründungsmitglieder waren demnach:
ErnstAnders, Dr. Ewald Badendieck,  Ludwig Bergsträßer, Ludwig Dehmer, Heinrich Dingeldein, Erich Funk,  Walter Hartmann, Willi Hörr, Manfred Junkert sen., Manfred Junkert jun., Walter Keimp, Fritz Lockau, Heinrich Möger, Franz Paulekuhn,  Georg Plößer, Heinrich Plößer, Philipp Rauch, Heinz Schäfer, Ludwig Schäfer, Walter Schäfer, Jakob Scheuch, Adam Speckhardt, Adolf Speckhardt, Adolf Speckhardt (Lautern), Thea Speckhardt,  Jakob Weicker und Artur Wendtland.

Kurz nach der Wiedergründung kommen etliche Mitglieder, die Interesse am Schießsport haben, hinzu: Heinrich Anders, Karl-Heinz Bohn, Gerhard Bohn, Ludwig Bohn, Franz Keller, Josef Lorenz und Manfred Ahmann.
Es war damals vorgesehen,  die Schießübungen nur mit dem Luftgewehr aufzunehmen und diese in Ermanglung  eines geeigneten Raumes zunächst in der Vorhalle der Aula des Schuldorfes Bergstraße durchzuführen.
Am 2. Juli 1956 schreibt der 2. Vorsitzende Dr. Badendieck  an den damaligen Landrat Wink einen Brief mit der Bitte, in der Aula des Schuldorfes  Luftgewehr  schießen zu dürfen. Die diesbezüglichen Verhandlungen wird dem amtierenden  Seeheimer Bürgermeister Adam Speckhardt übertragen. Leider gibt es keine Erlaubnis durch die Behörde. Der Verein hat kein Schießgelände!

Schließlich stellt das Vereinsmitglied Manfred Junkert sen. sein Privatgelände  zur Verfügung. In der Sandstraße 79 A, Ecke „Im Balkenböhl“ entsteht ein einfacher Luftgewehrstand mit Sonnenschirmen unter freiem Himmel. Dr. Badendieck leitet das Training mit großem Erfolg. Das Interesse wächst bei den Seeheimer Bürgern. Im Oktober 1956 fordert Dr. Badendieck  Versicherungsblöcke für Besucher beim Hessischen  Schützenverband an. Bereits im Dezember werden beim damaligen  Kreisschützenmeister Berg 13 Bronzene Leistungsabzeichen angefordert.

1957 wird der rührige Dr. Badendieck Kreisschützenmeister.

Die ersten Rundenwettkampfe werden unter Sonnenschirmen  ausgetragen.  Seeheim konnte 3 Luftgewehrmannschaften stellen. Nach und nach steigt die Mitgliederzahl.

In einem Brief werden die Seeheimer Bürger im März gebeten, den Schützenverein zu unterstützen, entweder als aktives bzw. passives Mitglied oder durch eine einmalige Beihilfe im Interesse der sportlichen Entwicklung  unseres Heimatortes.

In der ersten Hauptversammlung am 17.02.1957 wird der geschäftsführende
Vorstand mit 1. Vorsitzender Franz Keller, 2. Vorsitzender Heinrich Anders, Schriftführer Theodor Speckhardt  und Rechner Philipp Rauch gewählt.

Im März schreibt der Vorsitzende Franz Keller an die Gemeinde  und bittet um Holz für eine kleine Schießhalle. Bürgermeister Adam Speckhardt  stellt kostenlos Nutzholz aus dem Gemeindewald zur Verfügung.

Am 24.03.57 beteiligt sich der Seeheimer Schützenverein am Bundes-Vereins-Fernwettkampf mit zwei Vierer-Mannschaften.

Im Jahre 1957 ist der Verein finanziell in der Lage das Material für eine Überdachung zu kaufen. Holz für die Außenverkleidung wird von Ludwig Dehmer gestiftet, der darüber hinaus bei der Bank als Bürge auftritt. Am 20.07.1957  findet im Gasthaus „Tanneck“ (Junkert) die erste Siegesfeier  sowie das Richtfest der Schützenhalle in der Sandstr. 79 A statt.

Dank der tatkräftigen Eigeninitiative  einiger Schützenbruder, Josef Lorenz als gelernter Zimmermann tat sich besonders  hervor, entsteht im Jahre 1957  eine Blockhütte mit spartanischer aber gemütlicher Inneneinrichtung vor den Augen des staunenden Seeheimer Publikums.

Immaterielles Kulturerbe

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